4. Adventskalendertürchen *** (Nikolausgeschichte)

Gestern gab es im Adventskalender eine tolle DIY-Anleitung für Badesalz von unserer Gastbloggerin Birgit, heute folgt dieser eine tolle selbst geschriebene Nikolausgeschichte von unserem Gastblogger Marco. Klickt euch rein und entdeckt die wirklich tolle Geschichte.

Nikolausgeschichte (Der Nikolaus hat’s schwer)

Der Nikolaus hat’s schwer Ich sag dir was: Der Nikolaus hat’s schwer. Ach was. Stimmt gar nicht. Er hat es nicht schwer. Er hat es richtig heftig schwer.
Der Nikolaus schleppt die ganze Nacht einen riesigen Sack durch die Straßen der Stadt und verteilt kleine Geschenke an artige Kinder. Treppen rauf, Treppen runter, um die Häuser herum, wieder raus und weiter. Alles ohne Pause, damit die Kinder am nächsten Morgen in ihren Stiefeln eine kleine Leckerei oder ein Geschenk finden. Außerdem ist er nicht mehr der Jüngste. Bei jedem Schritt knackt und zwickt es in seinen Gelenken. Das liegt aber auch daran, dass er nicht genug Sport treibt und viel zu dick ist.
Du fragst dich, woher ich das weiß? Na, dreimal darfst du raten.
ICH bin der Nikolaus. Ich bin es, der jedes Jahr mit seinem goldenen Buch durch die Gegend zieht. Und das alles, um Freude in Kinderaugen zu zaubern.
Es ist ja nicht so, als würde ich es nicht gern machen. Es ist ein wirklich toller Job, den ich da erledige. Aber, wie ich es schon zu Anfang erwähnte: es ist richtig heftig schwer. Tauschen würdest du bestimmt nicht mit mir.
Das ganze Jahr über verbringe ich in meinem Büro und sammle alle Informationen, die ich über die Kinder der ganzen Welt bekommen kann. Schulnoten interessieren mich dabei weniger. Stattdessen schreibe ich mir genau auf, wenn eines von ihnen unartig ist, böse Schimpfwörter benutzt oder nicht auf seine Eltern hört. Das Ärgern von kleinen Geschwistern gehört natürlich auch dazu.
Auf der anderen Seite sehe ich natürlich auch, wenn sich ein Kind besonders artig und nett verhalten hat.
Das alles notiere ich in meinem goldenen Buch, um mir rechtzeitig Gedanken darüber machen zu können, ob eine Belohnung verdient wurde oder nicht.
Und irgendwann bin ich dann mit meinem großen Sack unterwegs. So wie heute.
Ganze sechs Stunden bin ich nun schon unterwegs. Ich stapfe von Haus zu Haus, schiebe mit meinen großen, schweren Stiefeln den tiefen Schnee vor mir her. Jeder Schritt ist anstrengend. Aber ich kann es mir nicht erlauben, zu verschnaufen. Denn dann werde ich nicht bis zum Sonnenaufgang fertig sein.
Ich beneide ja den Weihnachtsmann. Der hat zwar mehr und größere Geschenke als ich dabei. Dafür lässt er sich aber auch von acht Rentieren
in einem Schlitten durch die Lüfte ziehen. Und ich? Ich bin allein unterwegs. Früher war ja noch der Knecht Ruprecht an meiner Seite. Der hat mit seiner Rute den unartigen Kindern etwas auf den Hintern gegeben. Aber vor ein paar Jahren ist er in Rente gegangen und hat mich allein gelassen.
Und nun schaue ich an einem Haus hoch. Es ist groß, wenn nicht sogar riesig. Es hat – Moment – zwanzig Stockwerke. Uff! Zwanzig. Ganz schön hoch. Das wird dauern, bis ich da durch bin.
Im Hausflur entdecke ich dann, dass der Aufzug defekt ist. Er fährt wohl schon eine ganze Weile nicht mehr hoch und runter. Dafür muss ich jetzt hoch und runter. Laufen!
Also mühe ich mich die ersten Stufen hinauf. Schon spüre ich, wie mir die ersten Schweißperlen im Gesicht herab laufen. Nach der ersten Etage bin ich schon völlig erledigt.
Ich erreiche die erste Wohnungstür und schaue auf meine Liste. Finn Müller. Hat im Januar seine Mutter angelogen. Aber sonst war er freundlich gewesen. Okay. Er bekommt meinen Zwilling aus Schokolade. Hat er sich verdient. Hoffentlich geht er regelmäßig zum Zahnarzt. Ich will nicht Schuld sein, wenn der Junge Karies bekommt.
Ich schultere wieder meinen Sack und schleppe ihn weiter. Zweiter Stock, dritter, vierter. Ich bin bei Leonie Schulte angekommen. Wunderbares
Mädchen. Sie hört immer auf alles, was man ihr sagt. Sie hilft ihrer Mutter jeden Tag und schreibt nur gute Noten in der Schule. Da lasse ich auch gern mal einen kleinen Teddybären springen.
Apropos ‘Lasse’. Das ist der nächste Junge auf meiner Liste. Wohnt im neunten Stock. Also geht es weiter die Treppe hinauf. Stufe für Stufe.
Ob ich dabei wohl etwas Gewicht abnehme? Vielleicht bin ich Morgen früh etwas schlanker geworden.
Doch dann fällt mir ein, dass ich diesen Gedanken jedes Jahr habe und es noch nie geklappt hat.
Irgendwann bin ich dann ganz oben angekommen. Ich keuche. Das Atmen fällt mir schwer. Ich nehme mir vor, endlich Sport zu treiben. Egal was. Hauptsache, ich komme nächstes Jahr nicht mehr so abgekämpft die Treppen rauf. Hoffentlich vergesse ich es nicht wieder.
Ich blicke auf das Klingelschild. Sass steht dort. Ich setze mich auf den Boden, nehme mir mein goldenes Buch auf den Schoß und blättere durch die Seiten. Wo ist denn der Eintrag geblieben?
Ach, da ist er ja. Leni und Kevin Sass. Zwillinge. Sechs Jahre alt.
Oh, oh. Was muss ich denn da lesen? Sie hören nicht auf ihre Eltern, machen ständig Blödsinn, wollen abends nicht schlafen und räumen nie ihre Zimmer auf. Sowas. Das wäre jetzt ein Fall für den Ruprecht. Aber, na ja. du weißt schon.
Was mache ich denn jetzt mit den Beiden? Ich denke etwas nach und entscheide mich dann, ihnen einen kurzen Brief zu schreiben. Aber wohin damit? Sie haben gar keine Stiefel vor die Tür gestellt.
Ich seufze. Wussten sie etwa schon, dass sie von mir nichts bekommen werden oder haben sie die Stiefel woanders abgestellt?
Also schaue ich mich um. Und entdecke sie. Sie stehen auf der Treppe zum Dachboden. Fast hätte ich sie übersehen, weil sie von einem großen Karton verdeckt werden.
Ich mühe mich wieder hoch und gehe rüber. Als ich nach den Stiefeln greifen will, fällt mir ein Brief auf, der an mich adressiert ist.
Ein Brief? An mich? Das kenne ich so gar nicht. Ich bin völlig überrascht.
Ich öffne ihn mit zittrigen Fingern und lese die wenigen Zeilen, die in Kinderschrift verfasst sind.
Lieber Nikolaus.
Wir wissen, dass wir nicht die artigsten Kinder 
gewesen sind und wollen uns dafür ganz dolle
entschuldigen. Du musst wissen, dass es gar
nicht so einfach ist, artig zu sein. Aber wir
möchten dir versprechen, uns im nächsten Jahr
zu bessern.
Deine Lina und dein Kevin.
Ach ja, das Paket ist für dich.
Paket? Für mich? Ein Geschenk? Ich glaube, ich fange gleich an zu weinen, so gerührt bin ich.
Vorsichtig öffne ich den Karton und sehe hinein. Da drin befindet sich ein großer, stabiler Korb, unter den zwei Ski geschraubt sind. An einer Seite hängt ein Seil.
Was soll das sein? Hab ich noch nie gesehen. Hm. Vielleicht?
Ja, das ist es. Wie genial. Diese Kinder sind klasse. In den Korb kann ich meinen Sack legen und ihn dann am Seil hinter mir her ziehen. Wie genial ist das denn? Das macht mir die Arbeit viel leichter und ich komme in dem tiefen Schnee schneller voran.
Jetzt kullert mir doch noch ein Tränchen die Wange herab. Hach, was bin ich gerührt.
Ich schniefe leise und gebe mir einen Ruck. Es ist bald Weihnachten und die Kinder brauchen bestimmt etwas, das ihnen hilft, im nächsten Jahr artiger zu sein. Ich hinterlasse auch ihnen ein Geschenk und mache mich dann wieder auf den Weg zum nächsten Haus.
Und was machst du? Wenn ich auf meine Uhr sehe, ist es langsam Zeit, ins Bett zu gehen. Was meinst du? Es ist schon spät. Deswegen wünsche ich dir eine gute Nacht.
Ach ja, bevor ich es vergesse, falls ich es dir nicht schon berichtet habe: Der Nikolaus, also ich, hat es richtig, richtig gut. Und weißt du auch warum? Weil er jetzt einen eigenen Schlitten besitzt, mit dem er seinen schweren Sack durch den Schnee ziehen kann. Ist das nicht toll?

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Wir hoffen sehr euch hat der heutige Adventskalender Beitrag von unserem Gastblogger Marco von 366 Geschichten gefallen. Weitere tolle Geschichten von Marco findet ihr bei 366 Geschichten. Im übrigen erscheint heute bei Marco noch eine Geschichte, welche den gleichen Tag nur aus der Sicht des Mondes erzählt. Schaut auf jeden Fall rein.

Der Beitrag und die Bilder in diesem Beitrag sind Eigentum von 366 Geschichten. Für Fragen bezüglich der Geschichte oder Fragen zu den Bildern, kontaktiert bitte Marco von 366 Geschichten.

In den letzten Jahren versteckte sich hinter dem 4. Adventskalendertürchen im Adventskalender im übrigen eine DIY Last Minute Idee zum Nikolausschuh und Bobini gegen Matschwetter.

Habt noch einen wundervollen Tag und schaut auch morgen wieder in unserem Adventskalender vorbei. Morgen dürft ihr euch auf ein tolles Rezept freuen.

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Hallo 😉
eine tolle Geschichte. Vielen lieben Dank.
LG Katrin