Vom leben und sterben

Heute schlage ich mal ein etwas ernsteres Thema an, denn nicht immer ist alles Friede, Freude, Eierkuchen. So wie das Leben nämlich zu uns gehört, so gehört auch der Tod dazu, wenn wir ihn auch gerne ganz hinten in die dunkelste und staubigste Ecke schieben. Durch meine Arbeit ist das Thema bei mir aber etwas weiter nach vorne gerückt.

Seit über einem Jahr arbeite ich nun bei der Wohlfahrt im ambulanten Dienst als Hauswirtschafterin. Dabei übernehme ich nicht die Rolle der Pflegefachkraft um die Patienten mit Medikamenten zu versorgen oder dies zu waschen, pflegen und anzukleiden. Meine Rolle in meiner Arbeit ist die Hilfe im Haushalt. So helfe ich den Patienten ihren Haushalt zu führen (Reinigung der Bäder und Böden, Bügeln, Fenster putzen, Wäsche zusammen legen, Holz holen, Wäsche aufhängen, Müll entsorgen) und mit oder ohne diese die Einkäufe und sonstigen Besorgungen zu erledigen. Doch nicht immer übernehme ich diese Arbeiten, manchmal bin ich auch einfach nur eine nette Gesprächpartnerin welche sich die Sorgen und Ängste der Patienten anhört. Man könnte sagen, manchmal bin ich einfach nur zur seelischen Unterstützung da, denn einige meiner Patienten sind alleine und haben nur bedingt Ansprache.

Wer noch nicht in diesem Beruf gearbeitet hat, würde nun annehmen all meine Patienten wären alt. Das ist aber nur bedingt der Fall, denn Hilfe wird immer gebraucht, wenn man selbst nicht mehr kann. So kann es schnell passieren das ein Unfall passiert, man dadurch verletzt wurde und krankheitsbedingt nichts mehr machen kann. Dann komme ich und unterstütze wo es geht. Auf der anderen Seite kann man eine angeborene Krankheit haben und durch diese nicht mehr alles alleine machen. Auch dann komme ich. In den meisten Fällen ist es aber so, sicherlich könnt ihr es euch denken, das meine Patienten ein fortgeschrittenes Alter haben und nicht mehr alles alleine können. Damit diese ganzen Menschen jedoch in ihren eigenen vier Wänden leben können, komme ich.

Gibt es nichts schöneres als in den eigenen vier Wänden alt werden zu können? Ich finde ja schon, denn in ein Altenheim würde ich nur ungern gehen und nur, wenn es wirklich gar nicht mehr geht. Zum Glück gibt es in der heutigen Zeit die Möglichkeiten wie den ambulanten Dienst in welchem es nicht nur den Pflegebereich gibt, sondern eben auch den Hauswirtschaftsbereich. Im übrigen, wer einen Pflegegrad hat, der erhält 125€ welche er nur durch einen Dienst ausgeben kann. Solch ein Dienst bin zum Beispiel ich als Hauswirtschafterin (Haushaltshilfe) im ambulanten Dienst. Leider ist es schwer eine Haushaltshilfe zu bekommen, denn zwar ist der Bedarf groß, jedoch gibt es nicht genügend Mitarbeiter in diesem Bereich. Dies wiederum liegt daran das sich unser Bereich als Haushaltshilfe nicht rechnet.

Anfangs habe ich das nicht verstanden. Warum rechnet sich der Bereich Haushaltshilfe im ambulanten Dienst nicht, wenn es doch so viele Anfragen gibt? Die Erklärung ist eigentlich ganz einfach. Anders als die Pflegefachkräfte welche jede Arbeit wie Ausziehen, waschen, Medikamente geben usw. einzeln abrechnen können, wird bei der Haushaltshilfe immer nach der Zeit abgerechnet. Das heißt, die Arbeiten weche ich erledige wie Einkaufen, Waschen usw. werden nicht einzeln als Leistungen abgerechnet, sondern insgesamt wird die Zeit abgerechnet die ich da bin. Was ich in dieser Zeit gemacht habe ist dabei erst einmal völlig egal.

Durch meine Arbeit, welche ich wirklich unheimlich gerne mache, begegne ich vielen Menschen. Dabei fällt mir immer wieder auf, das jeder in die Situation kommen kann selbst nicht mehr alles machen zu können und vielleicht sogar einen Pflegegrad erhält. Doch wann ist leben noch leben. Ich sehe die unterschiedlichsten Situationen in welchem z.B. eine 95 Jahre alte Dame eigentlich alleine leben kann, alleine den Weg zur Toilette schafft und deshalb nur Unterstützung braucht. Auf der anderen Seite habe ich Patienten welche eigentlich nur in ihren eigenen vier Wänden leben und kam oder auch gar nicht aus dem Haus kommen. Ein Grund liegt dafür leider oftmals in der Familie. Leider sehe ich bei vielen Patienten wie wenig sich doch die eigene Familie um die Mutter, Oma usw. kümmert. Das ist wirklich traurig anzusehen und ich hoffe ich werde nie selbst so ein Mensch.

Ich sehe die verschiedensten Leiden die jemand haben kann und ich sehe, denn irgendwann kommt es leider nun mal so, den Tod. Täglich begleitet er mich auf meiner Arbeit, denn wie das eben so ist, weiß man nie wann es vorbei ist. Ein kleiner Infekt, ein Sturz oder völlig unerwartet kann immer den Tod am Ende von sich tragen. Mir ist es aus diesem Grund deshalb gar nicht möglich mich nicht mit dem Thema zu befassen, denn gerade weil ich oftmals auch einfach nur Seelentröster bin, bin ich näher am Patienten als vielleicht eine Pflegefachkraft. Ich kenne die Leiden und Sorgen der Menschen, ich baue eine Verbindung zu meinen Patienten auf, sodass es immer wieder passiert das ich nicht vor der Situation stehe Haushaltshilfe-Patient, sondern Freund zu Freund oder zumindest naher Bekannter zu naher Bekannter.

Viele meiner Patienten freuen sich jede Woche, wenn ich diese besuche und helfe und etwas Unterhaltung in die Wohnung bringe. Für viele bin ich nicht mehr wegzudenken und ich muss sagen auf meiner Seite ist es der gleiche Fall. Ich kann mir einen Arbeitstag/Arbeitswoche ohne meine Patienten gar nicht vorstellen. Einige meiner Patienten sind traurig, wenn ich in den Urlaub gehe, weil ich dann nicht mehr komme. Das schönste an meiner Arbeit ist jedoch, das die meisten meiner Patienten mir einfach wie sehr sie mich schätzen und sich freue das ich ihnen helfe. Nicht immer bekomme ich diese Rückmeldung, jedoch von vielen.

Wie eben aber bereits angesprochen, gehört jeden Tag auf meiner Arbeit der Tod auch dazu. So habe ich im letzten Jahr durch die dunkle Gestalt viele liebe Menschen verloren, welche mir trotzdem niemals aus dem Kopf verschwinden werden, Sei es durch ihr Lachen, ihre Witze, ihre kecken Sprüche oder was auch sonst. Der Tod gehört dazu und wir sollten zulassen uns näher mit ihm zu befassen. Niemand ist vor ihm sicher, so sehr wir es vielleicht auch wünschen würden es wäre anders.

Ich für meinen Teil befasse mich seit meiner Arbeit näher mit dem Thema und habe mir meine Gedanken gemacht was passiert, wenn ich sterbe. Wie möchte ich beerdigt werden, wie möchte ich das die Kleidung der Trauergemeinschaft ist, wo möchte ich beerdigt werden. Es gibt noch so unendlich viele weitere Fragen welche ich mir stelle und auf die ich versuchen eine Antwort zu finden damit ich diese aufschreiben kann. Ich möchte nicht das jemand anderes in seiner Trauer diese Entscheidungen für mich treffen muss.

Mit diesen Gedanken beende ich den Beitrag und wünsche mir das ihr euch eine Minute Zeit nehmt und einfach mal eure Gedanken nach meinem Text kreisen zu lassen.

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Durch meine Arbeit habe ich auch viel mit dem Thema sterben zu tun, und ja man stellt sich wirklich einige Fragen.
LG Leane

Hallo liebe Marie,
ein Thema worüber man nicht gern spricht, aber durch die Arbeit bei Dir oder auch Familiär wird man damit konfrontiert und muss versuchen, so gut wie möglich damit umzugehen, auch wenn das so leicht klingt ! LG Katrin